Elektronische Überwachung am Arbeitsplatz

Elektronische Überwachung am Arbeitsplatz

5. November 2019 | Publikation

Dr. Anja Feierabend publizierte in der November-Ausgabe von „HR Today“ einen Artikel zum Thema „Elektronische Überwachung am Arbeitsplatz“:

Fast alle Aktivitäten der Beschäftigten generieren elektronische Spuren – vom Einloggen in den Computer bis hin zur zurück­gelegten Strecke mit dem Firmenfahrzeug. Dadurch kann ihr Verhalten überwacht werden. Welche Auswirkungen hat das elektronische Tracking auf die Mitarbeitenden? Wann wird es von ihnen akzeptiert und wann stösst es auf Ablehnung?

Die elektronische Erfassung arbeitsbezogener Mitarbeiterdaten kann Arbeitgebern helfen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten zu verbessern und die Unternehmensleistung zu optimieren. Andererseits kann eine elektronische Überwachung auch mit einer Verletzung der Privatsphäre und dem persönlich empfundenen Verlust der Autonomie einhergehen. Für HR-Forschende und HR-Praktiker ist es daher wichtig, Einblick zu gewinnen, welche ­Faktoren die Akzeptanz von Tracking-Technologien bei Mitarbeitenden fördern oder verhindern.

Ein Forscherteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hat diesen Sachverhalt mit einer experimentellen ­Vignettenstudie an 800 Beschäftigten in Deutschland untersucht. Durch das Stu­diendesign wurden die Teilnehmenden in eine hypothetische Situation (Vignette) versetzt und mussten einschätzen, wie sie sich verhalten würden. Die Situationsbedingungen variierten experimentell. Etwa die Transparenz (Datenzugang) der elektronischen Überwachung, deren Inhalt (beispielsweise Gesundheit und Leistung) und der private Umgang der Teilnehmenden mit der elektronischen Datenerfassung. Dadurch konnte gemessen werden, wie sich die Effekte einer bestimmten Situation im Urteil der Teilnehmenden niederschlagen. Anschliessend haben die Forscher die Mitarbeiterakzeptanz von Tracking-Methoden abgefragt.

Die Ergebnisse der Studie zeigen Folgendes:

  • Die Akzeptanz der Tracking-Technologie ist wahrscheinlicher, wenn Beschäftigte eine generell positive Einstellung zur elektronischen Erfassung persönlicher Daten haben und diese auch im privaten Leben zulassen.
  • Die Tendenz zur Ablehnung der Tracking-Technologie steigt, wenn diese zur Überwachung des Gesundheitszustands und der persönlichen Leistung verwendet werden soll.
  • Erkennen die Beschäftigten den Nutzen des Trackings und können sie die Überwachung selbst begrenzen, steigert dies die Akzeptanz der Technologie.

Überwachungstechnologien werden nicht bedingungslos akzeptiert und können Gegenstand von Konflikten sein. Im Umsetzungsprozess sollten Arbeitgeber daher die Interessen der Beschäftigten berücksichtigen und bei der Einführung solcher Technologien auf eine sorgfältige und transparente Kommunikation achten.

Der Artikel basiert auf Forschung von Abraham, Niessen, Schnabel, Lorek, Grimm, Möslein & Wrede (2019), publiziert im Human Resource Management Journal.

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